SOUNDCAGE - Entwicklung und praktische Ausführung eines MIDI-Eingabegeräts in Form eines Laser-Klangkäfigs

Diplomarbeit, Christof Neugebauer, Kunstuniversität Linz, Studienrichtung Werkerziehung, 2000

Im Zusammenhang mit dieser Diplomarbeit entstand ein universelles MIDI – Eingabegerät mit vielfältiger Verwendbarkeit – der SOUND CAGE. Gerade in Linz, der Brucknerstadt und der Stadt der ARS ELECTRONICA, lag es nahe, Elektronik und Musik in einem Werkstück zu vereinen. Hier entstand die Donauharfe Bognermayrs, die Donau Tuba, hier entwickelte sich das Blue Chip Orchestra. Die Liebe zur Musik und im Speziellen zur elektronischen war Motor, diesen SOUND CAGE zu planen und zu bauen. Dieses Gerät ist aus vielen Elementen zusammengesetzt, die durchaus im Werkunterricht mit Schülern gebaut werden können. Es werden hier vorhandene Dinge zu praktischen, aber auch zu künstlerischen und ungewöhnlichen Werkstücken neu vereint.

Das Instrument selbst ist in der Schule vielfältig einsetzbar, aber auch in Tanz-, Musik- und Sprechtheater, sowie zu psycho- und bewegungstherapeutischen Zwecken.

In zahlreichen Versuchen mit dem „Klangkäfig“ mit Menschen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Berufen haben sich interessante Phänomene gezeigt, Anregungen zur Weiterentwicklung ergeben und weitere Möglichkeiten der Verwendbarkeit dieses Gerätes eröffnet.

Immer stärker wird erkennbar, dass die Entwicklung dieses Instruments seinen Abschluss sicherlich noch nicht gefunden hat. Der Soundcage ist ein elektronisches Musikinstrument, das durch Unterbrechung von Lichtschranken bedient wird. Da die LASER-Lichtschranken um den Spieler kreisförmig und senkrecht angeordnet sind, entsteht ein Käfig aus Lichtstrahlen. Der Eindruck von einem „Käfig“ wird durch den Einsatz einer Nebelmaschine verstärkt, weil dann die „LASER-Gitterstäbe“ gut sichtbar werden.

Soundcage kommt aus dem Englischen Sound=Klang, Schall, Geräusch und cage=Käfig. Da das Wort Sound auch im Deutschen für Klang verwendet wird, lag es nahe ein neues Substantiv zu kreieren, welches das Instrument beschreibt. Sound kann aber auch gesund oder bei klarem Verstand, im Besitz seiner Kräfte heißen. Mit Cage kann auch Aufzug oder Förderkorb gemeint sein. Der Soundcage „befördert“ seine „Gefangenen“ in eine neue musikalische Dimension.

Dieses Instrument besteht aus zwei Teilen, einer Senderscheibe mit den LASER -Pointern und einer Spielbühne mit den Empfangseinheiten. Beide Teile haben den selben Radius. Der Soundcage muss in einem Raum mit Decke und solidem Boden installiert werden. Die Senderscheibe wird mit drei Bohrungen an der Decke montiert, die Spielbühne hingegen mit drei Bohrungen auf dem Boden fixiert. Somit ist ein Verrutschen der Spielbühne nicht möglich und dadurch die Treffgenauigkeit der LASER immer gewährleistet. Im Kreismittelpunkt der Spielbühne befindet sich ein Fußtaster der die Funktion eines Sustain oder Portamento- Pedals erfüllt. Betätigt man dieses Pedal, klingen die angespielten Töne aus.

Die Idee- Gedanken zum Themenfindungsprozess

Die Idee entwickelte sich aus mehreren Wurzeln. Schon als Schüler interessierte ich mich für Elektronik. Ich baute kleine Alarmanlagen und andere einfache elektronische Schaltungen. Für einen Schüler ist es nicht sehr schwierig, mit einem Buch und einem Bausatz einfache elektronische Schaltungen herzustellen. Im Alter von zwölf Jahren begann ich mich für Musik zu interessieren und durfte Klavierspielen lernen. Da ich aber nicht so gerne nach Noten üben wollte, und der Klaviersound für meine Klangphantasien nicht ausreichte, wurde mir ein Synthesizer geschenkt. Ich lernte ihn zu programmieren und komponierte mit vierzehn meine ersten Musiknummern. Solange ich mich nur für Sounds und Komposition interessierte, verschwand auch schnell die Liebe zur Elektronik. Erst im Laufe des Studiums an der Kunstuniversität und einigen Besuchen im Ars Electronica – Center erwachte das Interesse für Elektronik und elektronische Kunst erneut.

Ich erinnerte mich an eine Schaltung, bei der man einen infrarot – Lichtschranken durchbrechen musste, um den Alarm auszulösen. Ich kaufte sofort drei Infrarot – Lichtschranken und begann zu experimentieren. Dabei stellte sich heraus, dass sich die drei Lichtschranken gegenseitig beeinflussen, und auch ein genaues Justieren mehrerer „Strahlen“, die ja nebeneinander liegen sollten, nicht möglich war. Die Streuung der Sendeeinheiten war zu groß. Die einzige Lösung, um zu einem punktgenauen Strahl zu kommen, war doch der teure LASER. Ich war fest überzeugt, auf meinem Instrument mindestens zwei Oktaven anbieten zu wollen. Das bedeutete den Kauf von 24 Lasern. Ich fand heraus, dass die LASER-Pointer, die als Schlüsselanhänger verkauft werden, ab 10 Stück viel günstiger waren als die herkömmlichen LASER-Dioden. Beim Experimentieren bzw. Spielen mit den Pointern kam mir die Idee, den Lichtstrahl als dünne Saite oder Stange einzusetzen. Von der Saite ausgehend wäre ich wieder bei einem harfenähnlichen Objekt gelandet. Vielmehr dachte ich nun an Raum und Architektur, schließlich an einen Käfig oder an ein Gefängnis.

Die Vorstellung, sich mit „sichtbaren“ aber nicht greifbaren Klangstäben zu umgeben oder im Klang gefangen zu sein, veranlasste mich einen LASER - Klangkäfig zu bauen. Die Kreisform lag aufgrund ihrer ergonomischen und symbolischen Gegebenheiten nahe. Reizvoll war für mich der Aspekt des Eintretens und Ausbrechens in und von einem Raum, dessen Umgrenzung nur optisch und akustisch wahrnehmbar ist. Das „Verbot“ den Laserstrahl einer Alarmanlage zu durchbrechen, wird hier als musikalische Aktion verlangt. Dennoch hab ich bemerkt, dass manche Menschen eine Hemmschwelle überschreiten müssen, um in den Käfig zu gehen und einige Töne anzuspielen.